Tobias Kaufmann

27. November 2012
von TK
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Print stirbt? Wir leben!

Pleiten, Selbstmitleid, Selbstzerfleischung – die Zeitungsbranche dreht sich in der Krise um sich selbst und in den Unternehmen staut sich Frust. Es ist höchste Zeit, dagegen anzuschreiben. Einmal wenigstens. Therapeutisch.

Es reicht. Ich habe genug vom Untergang. Print stirbt, heißt es oft, aber es geht nicht ums Papier, ums Drucken, sondern um mehr: Es geht um die freie Presse. Zu der gehören mehr denn je Internetangebote, Tablet-Zeitungen und Mobilportale, auch wenn Frank Schirrmacher daran vielleicht nicht glaubt. Das Zeitung-gegen-Online-Längenmessen nervt nur noch. Für mich impliziert „Zeitung“ längst alle Kanäle und Produkte einer ursprünglichen Print-Marke, nicht nur die gedruckte Version. Die FAZ ist auch faz.net, die gedruckte Frankfurter Rundschau ist auch die auf dem Tablet. Die Krokodilstränen nach jeder Pleite habe ich ebenso satt wie die Selbstzerfleischung, die Besserwisserei, die Häme und die Selbstgerechtigkeit, von der einige Blender sogar leben können. So schlecht kann’s uns ja nicht gehen, wenn für diese Scharmützel noch Zeit ist. Diese Krise hat auch so genügend Dimensionen. Weiterlesen →

24. August 2012
von TK
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Gegen Beschneidung: Ein Humanist aus Stuttgart

Zur Beschneidungs-Debatte ist eigentlich alles gesagt. Es gab viele kluge Texte dazu, wütende und ruhige. Es gab Talkshows, öffentliche Selbst-Erfahrungen, und der Ethikrat tagt auch dazu. Es gab eine Anzeige von 700 Beschneidungsgegnern in der FAZ, deren Aufforderung zur Versachlichung einer der Unterzeichner untermauerte, indem er einen Rabbiner anzeigte. Damit überholte der Herr meine Aussage in einem Kommentar, wonach trotz aufgeregter Streiterei bisher keinerlei Strafverfolgungsinteresse im Land erkennbar geworden sei. Nun ja, Eiferer gibt es immer.

Einen von ihnen hatte ich kurz darauf im Postfach. Dem folgenden Mail-Wechsel möchte ich einige kurze Bemerkungen vorausschicken.

1. Post wie diese hat es immer gegeben. Seit der Möllemann-Affäre 2002 – hier jedenfalls sehe ich den entscheidenden Einschnitt – hat sich aber etwas Grundlegendes geändert. In Deutschland wird antisemitische Hetze inzwischen nicht mehr anonym verschickt. Sondern mit Namen und Adresse.
2. Der Autor dieser Hass-Mails ist vermutlich ein Mensch, den man eigentlich nicht ernst nehmen müsste. Am Inhalt seiner Aussage und der Tatsache, dass sie von zu vielen Leuten hierzulande geteilt wird, ändert das freilich nichts. Deswegen haben ich mich entschieden, seine Mails öffentlich zu machen.
3. Die Beschneidungsdebatte hat überhaupt nichts mit Judenhass zu tun.
4. Donald Duck ist ein Frosch.

Los geht’s mit der ersten Mail. Weiterlesen →

1. August 2012
von TK
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1. FC Köln? Jetzt erst recht!

Das neue Trikot

Das neue Trikot

Sandhausen. Man könnte mir eine Ohrfeige geben – es wäre nicht schmerzhafter als der Klang dieser Stadt. Sandhausen. Das hört sich für einen Fan des 1. FC Köln an wie ein Testspiel. Doch Sandhausen ist der Gast im ersten Heimspiel der Saison. Zweite Liga. Schon wieder. Wie konnte es dazu kommen?

Hatten wir nicht 2008 “Nie mehr zweite Liga” gesungen, “nie mehr, nie mehr”? Hatten wir das nicht geglaubt, auch letzte Saison, nach dem hart erkämpften Sieg gegen Berlin? Das ohrenbetäubende Pfeifkonzert nach dem Platzverweis gegen Podolski, der Jubel bei jeder Grätsche, Solbakken entrückt vor der Südtribüne. Danach dachte jeder: Köln ist durch.

Manche glauben, jemand sei in jenen Tagen, die sich nach Happy End anfühlten, aus Versehen gegen den Selbstzerstörungsknopf gestoßen. Doch so war es nicht. Es haben mehrere Leute nacheinander mit Absicht auf den Selbstzerstörungsknopf gedrückt, vorher schon. Als dann selbst Bruce Willis nichts mehr hätte retten können, standen alle im Chaoten-Qualm des Rhein-Energie-Stadions und dachten: Das passiert also, wenn man diesen Knopf drückt. Man zerstört sich selbst. Überraschung.
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2. Juli 2012
von TK
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Die Taskforce gegen Beschneidung

Verschwörungstheoretiker, Antisemiten, Moslemhasser, antireligiöse Fanatiker – eine fast repräsentative Auswahl von Leserzuschriften als Reaktion auf das Beschneidungsverbot-Urteil des Kölner Landgerichts bzw. meine Kommentare dazu. Die Kommentare stammen aus der Kommentarfunktion www.ksta.de, aus persönlichen Mails und Leserbriefen an die Zeitung. Nach Lektüre bitte vergessen und zurückkehren ins aufgeklärte, tolerante Deutschland.
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1. Juli 2012
von TK
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Die Beschneidung des Hirns

Seit das Kölner Landgericht in einem umstrittenen Urteil die Beschneidung von minderjährigen Jungen aus religiösem Grund als Körperverletzung interpretiert und damit für illegal erklärt hat, tobt in Deutschland eine Vorhaut-Debatte.

Naiv wie ich manchmal bin, habe ich an dem Tag, an dem das Urteil verkündet wurde, einen kleinen Kommentar geschrieben. Ich wertete die Beschneidung – ein Ritual, von dem ich weder persönlich betroffen noch positiv oder negativ fasziniert bin – als wesentlichen Bestandteil dessen, an das gläubige Muslime und Juden glauben. Da man m.E. auch ein solches Urteil nicht ohne den historischen Kontext fällen und werten kann, nannte ich es ein Zeichen der Freiheit, wenn Anhänger beider monotheistischen Religionen diesen Ritus vollziehen dürfen – anders als es etwa in der jüdischen Geschichte in Europa über Jahrhunderte in zahlreichen Ländern der Fall war. Ich fand, das war nachvollziehbar argumentiert. Weiterlesen →

12. Juni 2012
von TK
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UPDATE: Der DGB wird persönlich

Pierre Vogel und Willi Herren

Prediger Pierre Vogel wird vom Schauspieler Willi Herren gekuschelt. (Bild: Reuters)

Am vergangenen Samstag haben Salafisten einen Kongress und eine Kundgebung in Köln veranstaltet. Keine große Sache, eigentlich. Aber nachdem Anhänger dieser islamistischen Bewegung in Bonn und Solingen gewalttätig geworden waren, seit Salafisten Korane verteilen und die Innenminister alarmieren, vor allem aber, weil die Rechtsausleger von Pro NRW solche Veranstaltungen nutzen, um sich mit Gegendemos als wahre Helden der Freiheit aufzuspielen, habe ich mich gefragt: Warum ist es eigentlich so ruhig am Rhein? Warum hört man keinen Widerspruch gegen einen Salafistenkongress von all jenen, die sonst als selbst ernannte Zivilgesellschaft die Werte dieser Stadt verteidigen: Kölschrocker und Kirchen, Grüne und Gewerkschaften, Stadtspitze und SPD, Anti-Imp und Antifa? Es musste ja keine Sitzblockade sein, bitte auch kein Konzert, aber eine kritische Erklärung, einen offenen Brief, sowas hätte man doch schon erwarten können. Aber nichts dergleichen habe ich gefunden. Also habe ich einen provozierenden Kommentar geschrieben und über die Motive dieses Schweigens spekuliert.

Da ich die Wahrheit nicht gepachtet habe und der Text eine Vorlage für eine Debatte war, habe ich sowohl mit Zustimmung gerechnet, mitunter sogar von der falschen Seite, als auch mit Widerspruch. Meine Schlussfolgerung kann man natürlich für falsch halten, für ungerecht, für überzogen. So empfanden es offenbar einige Funktionäre des DGB Köln-Bonn.
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5. Juni 2012
von TK
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Elea (5) wäre lieber blond. Gegenargument: “Aber Deine braunen Locken passen viel besser zu Deinen schönen braunen Augen!” Antwort: “Und zu meinem süßen Gesicht!” Es geht doch nichts über ein gesundes Mädchen-Selbstbewusstsein.

5. Juni 2012
von TK
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Schleckerland

Die hässliche Seite des Kapitalismus ist, wenn jemand mit einem miesen Produkt und mies bezahlten Angestellten Kohle scheffelt. Wenn also eine Kette schrabbeliger, enger, billig aussehender aber nicht billiger Läden, in denen niemand gern einkauft und eigentlich auch niemand gern arbeitet, Pleite macht, dann ist das kein Beweis für die Krise der Marktwirtschaft, sondern ein Zeichen dafür, dass sie funktioniert. Und es wäre ein Hohn, so ein Unternehmen mit dem sauer verdienten Steuergeld ehrlich arbeitender Menschen auch nur einen Tag länger am Leben zu erhalten. So viel zu Schlecker, liebe Genossinnen und Genossen!

2. Juni 2012
von TK
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Ihr Pamphlet über Herrn Gauck

Sehr geehrter Herr Kaufmann
Ich weiss nicht was die Israel-Lobby Ihnen bezahlt hat, aber Ihr Beitrag ist absolut überflüssig, inhaltslos und erweckt den Eindruck “der ist gekauft worden”. Vor allem der letzte Satz betr. Gefährdung der Sicherheit Israels durch die Ansprache des Bundespräsidenten ist nur noch zum Lachen. Israel ist das bestgerüstete und agressivste Land im Moment. Wir müssen Angst haben vor Israel und nicht umgekehrt!
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